Snueden vom Monkey Business Tattooing in Forchheim

Snueden vom Monkey Business Tattooing in Forchheim

Nach meinem Debüt mit Metalwonder, gibt’s heute zu lesen, was ich aus der Forchheimer Größe Snueden rauskitzeln konnte. Ein absolut sympathischer Kerl, dessen Tattoos durch die Bank weg rocken! Also lehnet euch zurück, schnappet euch euer Popcorn und höret, was der Herr des Affenhauses zu berichten weiß!

Richie:

Hey Snueden, wir machen es heute wie in der Schule. Stell dich doch einfach mal vor.

Snueden:

Hallo und erst mal Danke für euer Interesse an meiner Person und Arbeit. Mein Name ist Dominik „Snueden“ Konrad, werde bald 38 und bin waschechter Franke. Bin Vater dreier Mädchen und seit kurzem stolzer Großvater. ‘98 habe ich meinen ersten Shop in Forchheim eröffnet. Meine vierte Location, das „Monkey Business Tattooing“ existiert jetzt seit ca. acht Jahren.

Richie:

Aus dem Internet habe ich erfahren, dass du seit 1996 im Geschäft bist. Wie kam es dazu, dass du Tätowierer geworden bist?

Snueden:

Schicksal, würde ich mal sagen. Gezeichnet habe ich schon immer, meine erste Tätowierung habe ich Anfang der 80er bei einem Typ im Schwimmbad gesehen, den ich auch fragte, ob ich sie mir näher betrachten darf. Es war ein klassischer „Hunnenschädel“ auf dem Unterarm. Weiß ich noch ganz genau. Von da an war das Interesse geweckt.

Anfang der 90er kam ich in die Punk- und Hardcoreszene, da gehörten Tätowierungen einfach dazu. In dieser Zeit bemalte ich oft die Lederjacken der Punks. Mit 19 Jahren ließ ich mich das erste Mal tätowieren. Das Ding war so kacke, dass ich mir dachte, das könnte ich besser. Hatte aber nicht die Eier,  mir Maschinen zu kaufen, geschweige denn wusste ich wo.

Da gab’s noch kein Equipment im Internet hinterher geschmissen.

In dieser Zeit hab ich mich in Graffiti probiert und ein paar Mark damit verdient. Zeitgleich war ich an der Fachoberschule für Gestaltung, an der ich mein Abitur machte. Danach wollte ich auf keinen Fall Werbegrafik oder Ähnliches studieren. Das Graffitiding war durch, auch sonst sah ich keinen Weg, Geld mit meiner Kunst zu verdienen.

Daraufhin schmiss ich alle Zeichensachen ins Eck und war  frustriert, wollte nie mehr einen Strich malen. Nach dieser, eigentlich für mich endgültigen Entscheidung entwickelte sich überraschenderweise alles zum Positiven. Ich erfuhr über einen Kumpel von einer „Lehrstelle“ als Tätowierer, bei der ich dann auch angefangen habe.

Richie:

Hattest du, bevor du zum Tätowieren gekommen bist, bereits einen anderen Beruf gelernt?

Snueden:

Nein.

Richie:

Nach so vielen Jahren als Tätowierer, bleibt der Job da überhaupt noch aufregend, oder kehrt hier auch die Routine ein?

Snueden:

Klar, bleibt der Job noch aufregend, aber der Ablauf wird natürlich routinierter. Ich bin besessen von meinen Beruf, der Tätowierung an sich und bin jeden Tag dankbar, dass alles so gekommen ist. Ich werde des Tätowierens nicht müde. Ich gebe eher noch mehr Gas als früher, umgebe mich mit großartigen Künstlern, die mich weiter inspirieren, nicht stehen zu bleiben. Es gibt immer etwas Neues oder man kann die Kunden im Gespräch von einer außergewöhnlicheren Idee überzeugen.

Richie:

Was meinst du hat sich in all den Jahren, in denen du jetzt tätowierst, am meisten verändert in der Szene?

Snueden:

Sie ist enorm gewachsen. Früher war es übersichtlicher, man hat sich gekannt. Heute werden oft Tattoos angefertigt, die nur dem Portfolio dienen und nicht wirklich gegen die Jahre bestehen können. Obwohl sie manchmal künstlerisch gesehen genial sind, aber meiner Ansicht nach eher auf eine Leinwand als in die Haut gehören! Auch machen viele Kunden ihre Auswahl des Tätowierers abhängig von Verfügbarkeit und Preis, anstatt von der Qualität der Arbeit.

Es gibt aber auch immer mehr junge, herausragende Künstler, die tolle Tattoos anfertigen. Aber leider auch viele, die durch die Modernisierung der Tattooszene oft nicht verstehen, was hinter dem Bild auf der Haut noch für ein Know-how steht (z.B. selber Nadeln löten, Maschinen bauen bzw. pimpen, Pigmente mischen, etc.) und wie hart es war, sich dieses Wissen anzueignen. Das hat früher einen kompletten Tätowierer ausgemacht.

Richie:

Gibt es Dinge die sich deiner Meinung nach besser nicht geändert hätten?

Snueden:

Naja, das mystische und geheimnisvolle der Tätowierung, wie ich sie anfangs kennenlernen durfte, ging durch die mediale Präsenz verloren. „It smells a little bit like sellout…“

In den 80ern wollte jeder „Guns’n’Roses“ sein, heutzutage halt jemand von „bla bla INK“. Ich denke das geht auch wieder vorüber.

Richie:

Erzähl‘ doch mal was über deinen Stil; wenn ich das richtig sehe, vermischst du gern Elemente aus verschiedenen Stilrichtungen. Was reizt dich daran besonders?

Snueden:

Tätowieren wird oft in feststehende Stile kategorisiert.

Gerade die „Vermischung der Stile“ macht meine Berufung interessant und nie langweilig. Ich lasse mich in keine Schublade pressen, weder künstlerisch noch in unserer Gesellschaft. Ich unterteile eher in sinnvoll bzw. sinnlos.

In erster Linie würde ich meinen Stil als „westlich traditionell“ bezeichnen. Viel mehr bedeutet für mich traditionell keine Stilrichtung, sondern steht für die Arbeitsweise: satte Linienführung, satte Schattierungen einfache Farbgebung und deswegen lange Haltbarkeit.

Ich versuche Tätowierungen anzufertigen, die auch in 40 Jahren noch gut aussehen. Ende der 90er, Anfang 2000 fertigte ich viele schwarz-grau Tattoos an, inspiriert von Jack Rudy, Leu oder Booth, die diesen Regeln unterliegen und rückblickend gut aussehen und immer noch klar lesbar sind.

Ein „Eyeopener“ für mich waren die alten „Tattootime“ Bücher von Ed Hardy. Die amerikanische Tätowierung, wie sie anfangs in der Bayarea angefertigt wurde, hat mich nachhaltig beeinflusst. Es gibt so viele Elemente aus dem Western Traditional, Asiatischen- oder Chicano-Style, die ich einfach großartig finde.

Richie:

Wenn ein Kunde in deinen Laden kommt, wie hast du es da lieber? Jemanden der dir genau sagt, was er will, oder jemand der nur eine Idee, bzw. Vorstellung hat und dich recht frei arbeiten lässt?

Snueden:

Ich habe das Glück, mir einen großen Kundenstamm erarbeitet zu haben. Sie geben mir eine Grundidee und lassen mir die Freiheit, alles so umzusetzen, wie ich es möchte.

Richie:

Wie hältst du es mit der Terminvergabe? Viele Shops haben meist feste Tage im Jahr, an denen die Leute Termine vereinbaren können.

Snueden:

Ganz normale Öffnungszeiten, bei denen jeder mal reinschnuppern kann. MBT ist eine Mischung aus Custom und Streetshop. Ich selbst arbeite nur noch mit einer Warteliste. Das macht meine Lebensplanung einfacher. Da ich alles vorher zeichne ist die Vorbereitung besser und das Ergebnis zufriedenstellender für alle Beteiligten.

Richie:

Als Tätowierer erlebt man ja so die tollsten Sachen, was war so dein verrücktestes Erlebnis bis jetzt?

Snueden:

Da gab’s einige… Das Durchgeknallteste war glaub ich ein Typ, der einen Laptop ins Gesicht wollte oder ein Arschloch auf die Stirn. Der hat so viele komische Sachen gefaselt, dann hab ich Ihn rausgeworfen. Innerhalb von ein paar Wochen hat er mir noch zwei Briefchen in den Briefkasten geschmissen, mit lustigem Inhalt. Die hab ich mir gerahmt und aufgehängt;)

Erst dachte ich, den hat mir ein Kumpel auf den Hals geschickt, der wusste aber von nichts…

Richie:

Karten auf den Tisch: Spule, Rotary, Cheyenne – und warum?

Snueden:

Wer anfängt zu tätowieren sollte mit Spule arbeiten. Die Dinger haben einen Grund, so zu laufen wie sie es tun.

Ich selbst bin auf Swashdrive und ein Paar Rotary von Shag umgestiegen. Ab und zu ziehe ich noch Linien mit Spule.

Ich habe einfach keine Zeit und Lust mehr, an den Spulenmaschinen zu schrauben. Aber da ich vor kurzem erschreckenderweise mitgeteilt bekam, dass es jetzt auch Reparaturservice für die Spule gibt… hahaha

Richie:

Gibt es Kollegen, von denen du behaupten kannst, dass sie deine Arbeit maßgeblich beeinflusst haben?

Snueden:

Ja, Osti hat mir sehr viel Hintergrundwissen mitgeteilt, danke an dieser Stelle. Nachdem ich Jason Kundell getroffen habe, hat sich meine Arbeitsweise komplett verändert.

Ausserdem Horiyoshi II u. III, Hardy, J.Rudy, Mick, Leu, Chris Conn, Pacheco, Grime, A.Cain und wie sie alle heißen.

Richie:

Gibt es nach 17 Jahren in der Branche noch ein Motiv oder ein Konzept, dass du unbedingt noch unter die Haut bringen möchtest?

Snueden:

Klar einen kompletten Bodysuit auf einer „Tattoojungfrau“.

Japanische Geister, die total komisch aussehen mit Geschlechtsteilen… hehehe

Richie:

Was hast du dir zuletzt stechen lassen?

Snueden:

Mein Rücken ist seit drei Jahren in Arbeit von Jason Kundell.

Die letzte war eins von Mike Roper. Das war wirklich was Besonderes 😉

Richie:

Conventions: Lieber als Besucher oder als Tätowierer?

Snueden:

Kommt drauf an…

Richie:

Auf welchen Conventions kann man dich antreffen?

Snueden:

Mönchengladbach und nächstes Jahr evtl. Balingen. Ich habe dieses Jahr auch eine Einladung für die Rock’n’Ink bekommen, war aber in den Staaten. Die schau ich mir evtl. 2014 auch mal an.

Richie:

Mal zum Thema Nachwuchs: Hast du Lehrlinge, bzw. bildest du auch aus?

Snueden:

Schweres Thema… ich habe ausgebildet. Von 3 Leuten war einer Top, der Rest Flop… Ich werde so schnell keine Lehrlinge mehr annehmen, es kommt früher oder später eh die Situation auf uns zu wie in den USA, dass viele nichts mehr zu tun haben werden, weil‘s einfach zu viele Tattooshops gibt 😉

Richie:

Welche Voraussetzung sollte jemand mitbringen, der unbedingt Tätowierer werden möchte?

Snueden:

Talent… der Rest ist eiserner Wille, gepaart mit sehr harter Arbeit und man sollte bereit zum Verzicht sein…

Richie:

Vielen Dank für deine ehrlichen und offenen Antworten, und weiterhin nur das Beste für deine Zukunft!

Snueden:

Bitte… hat mich gefreut!!!

Danke an REPORTINK und euer Team.

Monkey Business Tattooing
„Tattoo Snüden“

Sattlertorstraße 36
91301 Forchheim
Tel.: 09191/640961

http://www.snueden.com
http://www.facebook.com/MonkeyBusinessTattooing