Alex Dörfler

Alex Dörfler

Als extrem charismatisches, überaus talentiertes Top-Model-Super-Brain mit unfehlbarer Selbsteinschätzung – so beschrieb sich Alex in Bezug auf meine letzte Interviewfrage. „Hey, was soll man auf so ne Frage schon schreiben…?“

Hat er ja auch nicht ganz Unrecht. Sich selbst in einem Satz zu beschreiben, ist ja schon immer etwas komisch. In jedem Fall würde ich das „überaus talentiert“ sofort unterschreiben und doppelt unterstreichen. Denn solche Knaller, die Alex nach nur zwei Jahren aktiven Tätowierens abliefert, lassen so manchem Neo-Traditional-Fetischisten die Kinnlade auf den Boden rummsen.

Begonnen hat alles schon viel früher. „Gezeichnet habe ich schon immer, auf Papier, Leinwand, Tische, Wände… Zur Haut bin ich mehr oder weniger durch Zufall gekommen. Drei Jahre lang habe ich neben meiner Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten ein Praktikum im Hardcore Ink gemacht – eigentlich nur, um mich zeichnerisch weiterzubilden. Dabei habe ich mich erst in die Arbeit als Tätowierer verliebt!

Nach meiner Ausbildung habe ich mich ziemlich blauäugig in die Selbstständigkeit gestürzt. Jedoch lief es ziemlich schnell an und ich war/bin gut beschäftigt. Ich arbeite quasi schon seit dem ich 15 bin im Hardcore Ink in Kassel, an der Nadel aber erst seit ungefähr zwei Jahren.“

Seine Arbeiten sind absolut clean und sprechen für sich. „Dicke Linien gekontert mit super dünnen, viel Farbe und trotzdem eher schlicht gehalten. Durch die Linien wird durch den Größenunterschied schon so viel Kontrast erzeugt, dass in den Farbflächen nicht mehr so viel schwarz benötigt wird. Dadurch wirkt es meiner Meinung nach noch kontrastreicher und überdauert die Jahre besser“, erklärt mir Alex.

Im Moment sei er wunschlos glücklich, da seine Kunden von überall nach Kassel strömen und immer genau das wollen, was Alex auch am liebsten tätowiert.

„Wenn unterm Niveau noch eine Kellerwohnung frei wäre, würden wir da einziehen!“

„Im Hardcore Ink geht es immer laut und mit verdammt viel Dummgelaber zu. Und wenn unterm Niveau noch eine Kellerwohnung frei wäre, würden wir da einziehen! Für die Kunden ist es lustig und eine gute Ablenkung vom Schmerz.“ Manchmal könne genau das auf Dauer auch anstrengend sein. „Trotzdem arbeite ich jeden Tag gern mit den Chaoten Schumitz, Marco und Claudi zusammen!“

Zum Thema Mainstream und Tattoos hat der Zwanzigjährige eine klare Meinung: „Erst war es der Delphin und das Tribal oder das Arschgeweih. Das Tribal wurde heute ersetzt durch die Pusteblume mit Vögeln oder verschnörkelte Orchideen. Wirklich großflächig tätowierte Menschen würde ich immer noch zu einer Subkultur zählen.

Klar sind Tätowierungen immer mehr verbreitet, jedoch glaube ich, dass das Tattoo an sich noch nicht ganz salonfähig geworden ist. Wichtig ist jedoch immer noch der Gesamteindruck einer Person. Es machen immer noch Kleider Leute und nicht das, was sie darunter auf ihrer Haut tragen.“

Auch was die häufig diskutierte Preisfrage angeht, ist für Alex ganz klar: „Gute Arbeit hat schon immer seinen Preis gehabt und daran wird sich auch nie etwas ändern. So ein Tattoo hat man schließlich auch sein ganzes Leben lang. Leider muss man häufig lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Ich bin da da aber auch kein gutes Beispiel. Alle drei Monate vergebe ich an einem Tag neue Termine. Es ist verständlich, dass genau an dem Tag nicht immer jeder in den Laden kommen kann. In diesem Zusammenhang habe ich noch keine perfekte Lösung gefunden.“

Und am Ende ist es doch so: Wenn man den Stil eines bestimmten Künstlers bewundert, dann wartet man eben und geht nicht zum Nächstbesten, der es möglicherweise nur zweitklassig macht.

Wenn eines klar ist, dann dass sich das Warten bei diesem jungen Herren definitiv lohnt. Und wenn er nicht gerade die Maschine in der Hand hat, steht das Zeichnen im Vordergrund. Auf seiner „Muss-ich-unbedingt-noch-tun-bevor-ich-sterbe“-Liste steht in großen Lettern noch, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Aber bis dahin wird er uns erst mal weiter mit seinen Meisterwerken beglücken.

Cheerio,
eure Vicky xxx

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