Es gibt Termine – so über das Jahr verteilt – die nimmt man wahr, weil man muss. Und es gibt Termine, die nimmt man wahr, weil man will. Am vergangenen Wochenende hat der liebe Andy Schmidt vom „Andys Body Electric Tattoo Studio“ zur mittlerweile sechsten Auflage seiner Tattoo Ink Explosion ins beschauliche Mönchengladbach geladen. Und wie immer sind wir alle seinem Ruf gefolgt…

Machen wir uns nix vor. Tattoo Conventions gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Jedes noch so kleine Dorf hält es für eine super Idee, auf irgendeinem Hinterhof ein paar mehr oder weniger gute Stecher auf meist ahnungslose Kunden loszulassen. In diesem Wust die Übersicht zu behalten, fällt nicht nur schwer, es ist ein nahezu unmögliches Unterfangen.

Wohl dem, der sich so ein wenig auskennt – oder einfach Glück hatte, in den vergangenen Jahren mal auf der TIE vorbeigeschaut zu haben. Denn, und an diesem Punkt beginnt meine Lobhudelei, was Andy mit seinem hervorragenden Team in Mönchengladbach Jahr für Jahr auf die Beine stellt, sucht in Deutschland seinesgleichen. Aber gehen wir doch einfach mal die wichtigen Punkte gemeinsam durch…

Location, location, location

Kaiser-Friedrich-Halle

Kaiser-Friedrich-Halle

Viele sagen, die location einer Veranstaltung ist sowas wie das Salz in der Suppe. Betrachten wir die Kaiser-Friedrich-Halle in Gladbach, dann ist da durchaus was dran. Während sich die Tattoo-Gemeinde sonst gerne mal in großen Mehrzweckhallen trifft (was dem Ursprung einer Messe sicher nicht widerspricht), so ist besagte K-F-Halle eine wahre Augenweide. Freunde des Jugendstils kommen hier voll auf ihre Kosten. Die Kaiser-Friedrich-Halle hat sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Auf drei Etagen sind die Tätowierer hier untergebracht, der Zuschauer wandelt durch die geschichtsträchtigen Flure, immer auf der Suche nach dem nächsten Knaller-Tattoo. Allein das Stöbern macht unglaublich viel Spaß.

Die Spreu – oder doch der Weizen?

An diesem Punkt wird oft klar, um welche Art von Convention es sich handelt. Treffen sich hier die Top-Tätowierer (Weizen), oder doch nur irgendwelche namenlosen Hinterhof-Scratcher (Spreu)? In Mönchengladbach sind die Nadelkünstler allesamt „hand-picked“. Und das merkt man auch. Andy weiß, wer es drauf hat und wer nicht. Wer im Vorfeld einen Blick auf die Artistlist geworfen hat, dem wurde schnell klar, dass hier nur echt gute Leute am Start sind. Egal ob national oder international, die Auswahl hat gestimmt – und die Mischung ebenso. Herr Ober, ein Weizen, bitte!

Bitchfights? Never ever!

Tattoo Ink Explosion 2015

Tattoo Ink Explosion 2015

Woran macht man eigentlich fest, ob eine Convention gut läuft? Ein riesiger Indikator ist sicher die Stimmung. Und die war am gesamten Wochenende wirklich gut. Die Besucher waren gut drauf, die Tätowierer hatten gut zu tun. Bitchfights, Grabenkämpfe, Eifersüchteleien oder Missgunst? Fehlanzeige. Auch wenn hier alle mehr oder weniger um die gleichen Leute buhlen – schließlich sind die Tätowierer nicht nur zum Spaß auf einer Convention – so hatte man doch das Gefühl, auf einer kleinen großen Familienfeier zu sein. Man versteht sich, man mag sich, man arbeitet miteinander und nicht gegeneinander. Schlechte Laune war eher selten zu vernehmen. Und wenn die Jungs und Mädels an den Maschinen so drauf sind, dann überträgt sich das schnell auf die Besucher. Entspannt, so kann man die Stimmung sicher am treffendsten umschreiben.

Von Contests und Musikauswahl

Was auf keiner Convention fehlen darf: das Rahmenprogramm. Hier muss man sicherlich unterscheiden – oder besser, ich muss unterscheiden. Moderation: Bombe. Andy und Jessie führten drei Tage lang gekonnt und professionell, aber nie langweilig durchs Programm. Da habe ich schon ganz andere Dinge gesehen. Die Contests wie „best of day“ oder „best colour“… naja, es bleiben eben Contests. Ich denke, für Tattoo-Interessierte sind diese Veranstaltungen eine tolle Sache. Die gezeigten Werke waren auch dieses Mal 1A. Aber, und da mein erster Kritikpunkt: Steht man im Publikum, sieht man herzlich wenig. Hier wäre eine Videoleinwand, auf der man die Tattoos groß bewundern kann, vielleicht eine gute Sache. Es können leider nicht alle bis ganz nach vorne an den Bühnenrand gehen. Zur Musikauswahl: Ich weiß, das Thema war „Hillbilly“. Und ich weiß, dass der ganze Rockabilly-Psychobilly-Undsonstwasbilly-Kram in der Szene super angesagt ist. Mich langweilt es, vor allem wenn ich es drei Tage lang auf die Ohren bekomme. Aber hey: no offense, nur MEINE Meinung. Das hier ist Jammern auf ganz hohem Niveau!

Mein ganz persönliches Fazit

Tattoo Ink Explosion 2015

Tattoo Ink Explosion 2015

Was nehme ich mit aus diesen drei Tagen? Schmerzende Füße, einen kleinen Husten (vielleicht auf die Strohbelastung der Luft auf der Aftershow zurückzuführen?), Hunderte Fotos und das Gefühl, wochenlang nicht geschlafen zu haben – richtig, ich hatte jede Menge Spaß! Ohne Scheiß, das ist keine Schönfärberei und bezahlt werde ich dafür auch nicht, die TIE ist für mich das Nonplusultra in Sachen Tattoo-Conventions. Ich treffe hier jedes Jahr unzählige Freunde und Bekannte, Bekannte die dann später zu Freunden werden oder einfach super nette Leute, die ich ansonsten wahrscheinlich nie getroffen hätte. Die TIE ist für mich ein riesiger Abenteuer-Spielplatz, auf dem man sich austoben kann, aber nicht unbedingt muss. An jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken. Es wird unheimlich viel gelacht, aber auch tiefgründige Gespräche haben hier ihren Platz. Wenn ich ein Wort finden müsste, um diese Veranstaltung zu beschreiben, dann ist es sicherlich das hier:

Danke!

Liebe Grüße,
Euer Norman

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