Jan Kurze ist Mitinhaber des mittlerweile schon legendären Studios „Für Immer“ in Berlin. Auch wenn er sich selbst nicht als Experten für japanische Tätowierungen bezeichnen will – seine Arbeiten sprechen eine ganz andere Sprache. Für das Reportink goes Asia Special hat er sich ein paar Minuten Zeit genommen und uns einige Fragen beantwortet. 

Hi Jan, schön, dass Du mit an Bord bist bei unserem Asia-Special. Für die, dich noch nicht kennen sollten: Stell dich doch bitte mal kurz vor.
Jan Kurze: Ich bin 1970 geboren und lebe mit Frau und 2 Kindern in Berlin, wo ich zusammen mit Fide seit 1999 das Für Immer betreibe.

Seit wann tätowierst du schon?
Jan Kurze: Ich tätowiere seit ca. 25 Jahren, wobei die ersten 4 Jahre wohl als Scratcherzeit gelten müssen. Ich hab zuhause am Küchentisch als Autodidakt angefangen. 1996 hatte ich dann das erste Mal die Möglichkeit, in einem Studio zu arbeiten, bei Tatau Obscur.

Jan Kurze und die Ästhetik auf dem menschlichen Körper

Du bist bekannt für deine wunderschönen, asiatischen Tätowierungen. Wie bist du zu diesem Stil gekommen?
Jan Kurze: Als ich anfing zu tätowieren, war ich sehr von der Newschool-Bewegung der amerikanischen Westküste beeinflusst und hab mehr oder weniger verzweifelt versucht, solche Sachen zu machen. Ich fand japanische Tätowierungen schon immer sehr schön, einfach aufgrund ihrer Ästhetik auf dem menschlichen Körper. Ich hatte aber keinerlei Ahnung von der Materie, geschweige denn Kunden, die so etwas von mir haben wollten. Im Laufe der Jahre beschäftigte ich mich dann immer mehr mit dem Thema und langsam kamen auch Leute, die solche Arbeiten haben wollten. Nachdem ich dann 2010 das erste Mal in Japan war, fing die Sache an, sich zu entwickeln. Ich bin wohl weit davon entfernt, ein Experte zu sein, aber ich versuche, mein Bestes zu geben und so viel wie möglich zu lernen.

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Was reizt dich so sehr an den – in deinem Fall vorwiegend – japanischen Motiven?
Jan Kurze: Wie schon gesagt, die ästhetische Wirkung auf dem menschlichen Körper. Die Reduzierung auf das Wesentliche und die Schlichtheit in der Darstellung der Motive. Traditionelle japanische Tätowierer haben sich schon immer bei den klassischen ukiyo-e Holzschnittkünstlern für ihre Motive bedient. Für mich sind es speziell die Hintergründe, die den Reiz ausmachen. Das grossflächige Schwarz-Grau funktioniert für mich fast wie Ornamentik.

Hast du einen Favoriten, ein Motiv, dass du sehr gerne stichst?
Jan Kurze: Was die Motivwelt beim klassischen japanischen Tattoo angeht, kratze ich nach wie vor an der Oberfläche. Es gibt da einfach so viel zu lernen und zu beachten, dass man sich als Nichtjapaner auf sehr dünnem Eis bewegt. Meistens mache ich Tier- oder Pflanzenmotive, da kann man nicht ganz so viel falsch machen. Ansonsten versuche ich, meine Hausaufgaben zu machen, bevor ich ein Motiv entwerfe und Informationen über das jeweilige Thema zu bekommen. Man kann gar nicht genug Bücher zu dem Thema haben.

Japanische Tattoos sind ja meist großflächig. Sleeves, Rückenmotive, ganze Bodysuits. Wie ist der Entstehungsprozess eines solchen Projekts? Wieviel „Mitspracherecht“ hast du als Tätowierer (denke da an Position, Motiv, Größe, etc.)?
Jan Kurze: Also einen kompletten Bodysuit von Null an hat bei mir noch keiner nachgefragt. Meistens fängt es mit einem half-sleeve oder so an und daraus wird dann ein größeres Projekt. Japanische Tätowierungen brauchen, denke ich, eine bestimmte Mindestgröße, sonst sehen Sie albern aus. Ich bin froh, wenn die Leute mir das grobe Thema vorgeben und ich dann aber den Entwurf nach meinen Vorstellungen gestalten kann. Bei der Platzierung richte ich meistens nach den Wünschen der Kunden. Wenn ich denke, ein bestimmtes Motiv passt so gar nicht auf eine Körperstelle, versuche ich schon, der Person eine andere Lösung vorzuschlagen.

Jan Kurze: „Das ist wie neu Laufen lernen“

In eurem Studio in Berlin arbeiten ja auch immer mal wieder Künstler aus Asien. Wie sucht ihr diese aus?
Jan Kurze: Wir haben schon den einen oder anderen Gasttätowierer bei uns im Laden, aber speziell aus Asien kommen Sie eigentlich nicht. Es ist ja nicht so, dass wir das Internet nach potentiellen Gästen durchsuchen und die dann anfragen, sondern umgekehrt. Die Leute fragen bei uns nach einem Guestspot und wenns passt, dann können Sie gerne kommen, unabhängig davon, was für einen Tattoo-Stil Sie haben.

Derzeit arbeitet Toshihide aus Japan bei euch. Er sticht noch im „traditionellen“ Stil, sprich von Hand. Hast du das auch schon ausprobiert? Wenn ja, wie ist das im Vergleich zur „normalen“ Maschine?
Jan Kurze: Toshihide ist jetzt schon seit 3 Jahren bei uns zu Gast und lebt ja auch fest in Berlin. Für mich ist das natürlich ein Riesenglück, weil er aus einer hochangesehnen, traditionellen japanischen Tätowiererfamilie kommt und ich so viel von ihm lernen kann. An die traditionelle Tebori-Technik hab ich mich noch nie rangetraut und werde es wohl auch nicht machen. Das ist, wie neu Laufen lernen und braucht Jahre der Übung. Ich habe mich mal mit der Technik tätowieren lassen und kann es nur empfehlen. Ist ne coole Erfahrung.

Wie kommen Interessenten an einen Termin bei dir? Und wie lange müssten sie in etwa darauf warten?
Jan Kurze: Wer sich bei mir tätowieren lassen möchte, schreibt am besten eine Email an mail@fuerimmertattoo.de oder ruft einfach im Laden an unter +49 30 29004947. Bei Anfragen über Facebook oder Instagram kann schon mal was verloren gehen, irgendwie ist mir das zu unverbindlich. Ich bin ja auch schon über 40 und nicht so in sozialen Netzwerken unterwegs. Meine Wartezeit beträgt meistens so 4-5 Monate.

Vielen Dank, Jan, dass du dir die Zeit genommen hast.

Arbeiten von Jan Kurze, Für Immer (Berlin)

Infos zu Jan Kurze

arbeitet bei Für Immer Tattoo, Berlin (s. Karte)
Facebook: www.facebook.com/jan.kurze.37
Instagram/Twitter: www.instagram.com/janfuerimmer/
Website Studio: www.fuerimmertattoo.de
Kontakt per Email: mail@fuerimmertattoo.de

Für Immer Tattoo Berlin

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