Nathan (li.) und Robert von Boysetsfire (Foto by AngryNorman)

Nathan (li.) und Robert von Boysetsfire (Foto by AngryNorman)

Es ist „Interview-Woche“ bei Reportink. Nachdem Vicky mit dem Kmpfsprt-Talk den Startschuss gegeben hat, geht es nun mit Normans lockerem Plausch mit Nathan und Robert von Boysetsfire weiter. Er hat die beiden auf der kleinen Tour durch Großbritannien getroffen, auf der er die Band begleitet hat. Ach ja, und was zu gewinnen gibt es auch noch

Die Frage aller Fragen: Was soll ich nur fragen?

Über was quatscht man mit zwei Jungs, die in ihrem Leben schon so gut wie jede Frage beantwortet haben? Vor genau diesem Rätsel stand ich neulich in Cardiff, kurz bevor ich auf zwei meiner „Helden“ treffen sollte: Nathan und Robert von Boysetsfire. Zwei Konzerte ihrer kleinen UK-Tour mit Funeral For A Friend hatte ich bereits gesehen (in Bristol und London), jetzt stand das dritte an – und eben auch ein Interviewtermin. Nervosität machte sich in mir breit. Was, wenn ich es total verbocke? Doch dann kam alles ganz anders.

Tattoo auf dem linken Oberarm von Robert (Foto by AngryNorman)

Tattoo auf dem linken Oberarm von Robert (Foto by AngryNorman)

„Ist die neu, die Tätowierung hier auf der Seite?“, fragt mich Robert nach meinem Tattoo auf dem linken Unterarm, als ich mein Smartphone zur Aufnahme des Gesprächs auf den Tisch legte. Das Thema – oder zumindest mal das erste – war also bereits gefunden. Wie passend, wollte ich die Jungs eh über ihre Tattoos ausquetschen. „Ich mag Tätowierungen ja sehr“, erzählt mir Robert, auf dessen linkem Oberarm eine beeindruckende indische Gestalt prangt. „Aber tätowiert werden hasse ich wie die Pest. Ich hab‘ da Null Freude dran.“

Das Eis war gebrochen. Nach kurzem Fachsimpeln über Tätowierungen in Japan, Thailand und China musste natürlich die Frage nach Roberts erstem Tattoo gestellt werden: „Mit so 16, 17 Jahren war ich ein großer Fan der Band ‚Unbroken‘ aus San Diego – sowas wie Slayer, bloß langsam. Die hatten damals so ein bisschen den Rockabilly-Style in die Hardcoreszene getragen, und wir haben die ein wenig nachgeahmt. Ich mochte eine Platte von denen total gern, die hieß „Life. Love. Regret‘. Ich wollte mir den Albumtitel tätowieren lassen. Doch dann hat sich der Gitarrist der Band das Leben genommen. Ich wollte aber immer noch den Albumtitel haben – allerdings dann in chinesischen Schriftzeichen, aus Respekt und um niemanden auf den Schlips zu treten. Das wurde dann mein erstes Tattoo, und ich war 18.“

Ein Reichsadler auf Nathans Brust? Weit gefehlt!

Nathans großes Chestpiece (Foto by AngryNorman)

Nathans großes Chestpiece (Foto by AngryNorman)

Sänger Nathan, der in der Zwischenzeit dazu gestoßen war, gab dann auch Einblick in seine Tintensammlung. „Mein erstes Tattoo war ein kleiner Aztekenvogel auf dem linken Schulterblatt, umgeben von einer Art Tribal. Ich war 19, das Teil ist echt lächerlich und gestochen wurde es von irgendeinem Meth-Biker aus Florida.“ Dass besagter Vogel aussieht wie ein Reichsadler, das konnte auch der Biker nicht wirklich gewollt haben. „Ach, sowas höre ich oft. Noch öfter aber wegen meinem großen Chestpiece“, so Nathan. „Die Deutschen reagieren da ja gerne ein bisschen sensibel, wenn sie sowas sehen.“

Auf die Frage nach weiteren Tattooplänen für die Zukunft hatte Nathan eine klare Antwort parat. „Zum einen lasse ich die Freiräume um den Adler herum ausfüllen. Zum anderen werden meine zurzeit noch recht religiösen Tattoos verändert. Aus ‚Hope‘ und ‚Faith‘ zum Beispiel lasse ich ‚Dark Hope‘ und ‚Dead Faith‘ machen. Das Tattoo von Maria Magdalena, die eine Hure war, kann aber so bleiben.“

Das Fundament der Band: wahre Freundschaft

Dass die betenden Hände von Dürer auf Nathans Arm an die Hand auf dem Cover zum Album „While A Nation Sleeps“ erinnern oder gar verweisen könnten, das ließen die beiden nicht gelten. „Nein, nein, da ist nur eine Hand zu sehen“, so Nathan. „Und diese kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise verstanden werden.“ „Da musst ihr schon ein bisschen wie Sherlock Holmes sein, um das rauszufinden“, fügt Robert an. „Ich glaube, wir haben das Cover nie irgendwem erklärt, oder? Und das werden wir auch nicht. Das Ganze hat eine Bedeutung, aber wir verraten sie nicht.“

„Jeder einzelne in der Band hat seine eigenen Ansichten“, so Nathan. „Und so war es echt cool, dass sich alle in einem mysteriösen Symbol wieder finden konnten.“ Robert dazu: „Was das angeht, sind wir sowas wie die Freimaurer – ohne wirklich welche zu sein. Unsere Chemie und unsere Neigungen sind manchmal so bizarr, aber wenn man das alles in einen Topf wirft, wird daraus etwas… Ich bin fest davon überzeugt, dass es da draußen keine einzige Band gibt, welche die gleichen Zutaten besitzt wie Boysetsfire. Es ist wirklich ganz wundervoll. Bei den meisten Bands, gerade den jüngeren, geht es darum, ‚die nächste Vegan-Straight-Edge-Band‘ zu sein. Wir hingegen haben etwas ganz anderes geschaffen, auf dem Fundament einer wahren Freundschaft.“

Für Robert ist es genau das, was die „Schönheit der Band“ ausmacht. „Jeden Tag kommen Leute zu mir und sagen: ‚Es ist interessant, euch zuzuschauen. Ihr scheint es wirklich zu genießen, gemeinsam auf der Bühne zu stehen.‘ Eigentlich sollte das für jede Band gelten, denn welchen anderen Grund kann es geben? Geh‘ raus, spiel mit deinen Freunden – und hab‘ Spaß.“

„Einfach rausgehen und eine Party feiern“

Zwischen den Auftritten in London und Cardiff lag noch ein Gig in Leeds, welchen ich zugunsten eines „freien Tags“ in London nicht wahrgenommen habe. Ob das Konzert dort auch gut war, wollte ich wissen. „Ja, es war super. Aber eigentlich ist es schon lustig, denn wann immer wir sowas gefragt werden, geht es darum: ‚War die Show gut? Wie waren die Leute drauf?‘ Ich bekomme davon aber nie viel mit“, antwortet Nathan. „Wir gehen einfach raus auf die Bühne und feiern eine Party.“ „Die meisten Bands erzählen viel, wenn der Tag lang ist, meinen es aber meist nicht so“, ergänzt Robert. „Wir sagen, was wir meinen und handeln auch so. Es ist uns echt egal, ob da 10 Leute stehen oder 10.000. Wir hatten eine gute Zeit, das reicht. Und das Drumherum ist bei uns fast immer gleich.Es ist einfach sehr harmonisch, anders kann ich es nicht beschreiben.“

Nicht immer so ganz harmonisch läuft aber wohl die Arbeit an der Setlist ab. „Ich will damit eigentlich nichts zu tun haben“, so Nathan. „Ich überlasse das gerne Robert und Chad.“ „Aus irgendeinem verrückten Grund macht mir das echt Spaß“, sagte Robert. „Natürlich gibt da jeder seinen Input, keine Frage. Aber Chad und ich haben da einfach Bock drauf und übernehmen das dann. Normalerweise baue ich sowas wie die Grundlage, und von dort aus gestalten wir dann den Rest zusammen. Da Chad und ich in verschiedenen Ländern leben, geht es dann immer via Email hin und her. Allein für den Outro-Song (‚Nuthin‘ But A G Thang‘ von Dr. Dre und Snoop Dogg, hell yeah!) gingen locker 50 Nachrichten über den Äther.“

Was lange währt…

Wer kam eigentlich auf die Idee, mit Funeral For A Friend auf Tour zu gehen? „Wir sind schon lange befreundet“, erzählt Robert. „Wir haben früher schon zusammen gespielt, aber das ist echt lange her. Oise, unser Manager, arbeitet mit beiden Bands sehr eng zusammen. Er hat das Ganze vorgeschlagen und uns gefiel die Idee…“ „Und wir haben diese Split-Single zusammen aufgenommen“, fügt Nathan an. „Also haben wir gesagt: Warum nicht?“

Aber sind die beiden Bands wirklich gute Freunde, oder ist das vielleicht nur eine Floskel? „Um ehrlich zu sein… der Großteil der Belegschaft von Funeral For A Friend hat sich verändert über die Jahre. Eigentlich sind ja nur noch Matt und Chris übrig… und die sind wirklich noch gute Freunde nach all den Jahren“, so Nathan. „Wir mögen alle in der Band“, ergänzt Robert. „Aber nur Matt würde ich als echten Freund einstufen – und Matts Frau Ivonne. Sie hat damals als Mitbegründerin von Avocado Booking die erste Europa-Show von Boysetsfire organisiert. Wir kannten sie also schon, bevor Matt sie traf. Das Ganze ist schon ’n sehr enges Verhältnis.“

Gewinnspiel: Signierte Split-Single

Wie langweilig wäre es für euch, hätte Norman nicht noch ein cooles Mitbringsel am Start: die bereits angesprochene Split-Single von Boysetsfire und Funeral For A Friend! Wir haben eines der streng limitierten Dinger ergattert – und dieses von Nathan, Robert (beide BSF) und Matt (FFAF) signieren lassen. Das gute Stück gibt es jetzt bei uns zu gewinnen. Alles, was ihr tun müsst, um am Gewinnspiel teilzunehmen: Schickt eine Email mit dem Betreff „Gewinnspiel: Ich will die Single!“ an gewinnspiel@reportink.com – und drückt euch selbst die Daumen! Einsendeschluss ist übrigens Samstag, 17.05.2014.

Take care und keep on rockin‘,
Euer Norman

Fotos vom Konzert in Cardiff

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