Vom 22.-24. April war es wieder soweit: Der Spiekerooger Tattoo-Treff hatte seine Pforten weit geöffnet, um in aller Abgeschiedenheit vom „weltlichen“ Trubel der Tattoo-Kunst zu frönen und diese auch auf den norddeutschen Inseln zu verbreiten. Unser Norman war für Reportink am Start und hat sich umgeschaut.Moin, wie man auf Spiekeroog zu sagen pflegt. Ich weiß gar nicht recht, wo ich diesen Text anfangen soll. Denn – wer mich kennt, der weiß das – ich liebe diese Insel. Seit 2010 findet dort einmal im Jahr der Tattoo-Treff statt. Und diese Micro-Convention hat sich zurecht einen festen Platz in meinem Kalender erarbeitet.

Wer sich bislang „nur“ mit den großen Messen der Szene beschäftigt hat (London, Paris, Frankfurt…), bei denen bis zu 700 (!) Tätowierer um die Kundschaft bemühen, der wird sich fragen: Wie soll eine Convention mit gerade mal 20 Künstlern dagegen anstinken? Aber genau das ist das Geheimnis. Denn was Künstler UND Kunden (oder Zuschauer, Interessierte…) hier geboten bekommen, das können die großen Veranstaltungen schon lange nicht mehr leisten.

Eine Runde durch die „Kogge“ – und man startet sofort wieder von vorne

Auf Spiekeroog scheint die Zeit ein Stück weit stehen geblieben. Während sich auf den genannten Großevents die Leute in Scharen durch enge Gänge pressen, um maximal einen schüchternen Blick auf das Geschehen zu erhaschen, kommt man auf Spiekeroog mit den Künstlern durchaus ins Gespräch. Man sieht die Leute lachen, sich angeregt unterhalten, auch Kinder werden von ihren Eltern gerne mitgebracht. Es gibt nur eine Runde zu drehen in der „Kogge“, dann hat man alles gesehen – und startet sofort einen neuen Anlauf. Hier verpasst man nichts, alle sind gut gelaunt, niemand gestresst.

Mit einem kühlen Bierchen in der Hand – welches hier auch durchaus noch erschwinglich ist – schlendert es sich gemütlich von Stand zu Stand. Und nicht wenige lassen sich von den ausliegenden Wannados zu einer neuen, vielleicht auch ersten Tätowierung hinreißen. Die meisten haben aber bereits im Vorfeld ihre Termine gemacht und werden entsprechend behandelt.

Die Auswahl der Tätowierer ist exquisit. Hier ist nicht Masse das Stichwort, sondern Klasse. Vorhanden sind so ziemlich alle Stile, von Traditional zu Neo-Traditional, von Comic zu Porträt, Asia… hier sollte jeder was finden.

Neben den bereits „zum Inventar“ gehörenden Tätowierern, die jedes Jahr aufs Neue den zum Teil recht weiten Weg auf die Insel auf sich nehmen, überraschten zwei Künstler aus Peking das Publikum. Dong Dong und Ching Ge waren angereist und zauberten Kunstwerke in die Haut ihrer Kunden. Als langjähriger Freund von Dong Dong, den ich zusammen mit Flo 2013 in Peking besuchte, war ich natürlich mehr als erfreut, ihn auf meiner Lieblingsinsel zu treffen.

Klingt schleimig, ist aber so

Passend dazu war auch der Treff geschmückt. Lampions, große farbenfrohe Schirme… all das verlieh dem Treff in diesem Jahr einen besonderen Charme. Und die beiden hatten jede Menge Spaß, denn gerade sie können die Ruhe auf der Insel so richtig schätzen. Peking ist nicht gerade ein Naherholungsbgebiet. Doch auch wenn die beiden „Exoten“ sicher ein Highlight waren, so drehte sich nicht alles nur um sie. Beim Tattoo-Treff geht es nicht um einzelne Stars der Szene, es geht um das Erlebnis als Ganzes. Hier wird niemand besonders gefeiert oder andere in den Schatten gestellt. Jeder bedient seine Kunden, seine Nische – und alle haben sich lieb. Klingt schleimig, ist aber so.

Wer dann am Abend noch Bock hatte auf Party, dem wurde eine Vielzahl von Möglichkeiten geboten, sich auszutoben. Am Freitag spielten „Genialbereich“ auf und präsentierten rockige Songs mit friesischen Texten. Verstanden habe ich nicht viel, war aber auch nicht schlimm, die Mucke war gut. Danach rockten „The Smigx“, die Band von Tätowierer Salle aus Bochum, das Haus. Am Samstag eröffnete die Singer-Songwriterin Sarah Lesch aka „Die Chansonedde“ den Abend. Starke Texte, starke Stimme. Danach war vor allem für die Insulaner Zeit zu feiern, denn mit den „Shanty Killers“ spielte die Inselband.

Zum krönenden Abschluss gab es dann noch jede Menge Tanzmusik, die die beiden DJs David Biene und Moritz Berg via Plattenteller dem Disco-Publikum um die Ohren hauten. Sensationell.

Liste der Künstler

Ziguri Tätowierungen – Peter Ziguri (Berlin)
Für immer – Fide (Berlin)
Grober Unfug – Nadja (Papenburg)
Holy Diver Tattoo – Kristin Schubert / Felix Kremes (Essen)
New Hope Tattoo Club – Salle (Bochum)
Corpus del Ars – Mario (Achim)
The Pink Elephant Tattoo – Andreas Seevers (Bremen)
Tätowiersucht – Tanina (Münster)
Gecko Tattoo – Marc Guthe (Bruchsal)
Ratz & Ursl – Tattoo Ratz (Lindau)
Thorbens Painworks – Thorben Marquard (Clausthal-Zellerfeld)
Normans Tattoo & Art Gallery – Norman (Wesel)
Asa Tätowierungen – Andre Saager (Bochum)
Schwarze Hand Tattoo – Danne (Berlin)
Special Guests aus China
Mummy Tattoo – DongDong (Peking)
ChingarTattoo – Ching Ge (Peking)

Leider waren es auch in diesem Jahr wieder nur drei Tage, die einfach viel zu schnell vorbeiflogen. Aber, und das ist das Schöne an Abschieden: 2017 geht es wieder von vorne los. Der Termin steht auch schon fest und sollte von jedem im Kalender dick angestrichen werden.

8. Spiekerooger Tattoo-Treff – 28. bis 30. April 2017

Ich werde wieder am Start sein – und ich würde mich freuen, den einen oder anderen von euch dort zu treffen. Auf ein Bierchen, einen Plausch oder was auch immer.

Take care,
Euer Norman

Fotos: Das war der 7. Spiekerooger Tattoo-Treff

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